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Ich bin älter geworden, mein Buch nicht

08.09.2025 | 56 Ansichten

Titelbild zum Blogbeitrag: Ich bin älter geworden, mein Buch nicht

Titelbild zum Blogbeitrag: Ich bin älter geworden, mein Buch nicht Neuauflage von „Die Unendlichkeit deiner Worte“ erscheint im März 2026

Es gibt Sätze, die man nur einmal schreiben kann, weil sie ein Leben lang nachhallen. „Die Unendlichkeit deiner Worte“ war für mich so ein Satz, ein ganzes Buch voller Sätze, die mich getragen haben, als ich jünger war. Aber ich bin älter geworden. Das Buch nicht.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich in einigen meiner damaligen Gedanken nicht mehr wiederfinde. Aber mit der Zeit wurde es schlimmer. Manches sah ich inzwischen sehr kritisch. Es fühlte sich an, als würde ich einer jüngeren Version von mir dabei zusehen, wie sie etwas Wundervolles schafft, aber aus einer Perspektive, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann. Das hat mich sehr verunsichert und wenn ich ehrlich bin, hat es auch dazu geführt, dass ich an meinem Schreiben zweifelte. Ich habe beschlossen, dass ich nicht länger in Selbstzweifel versinken will und habe das Buch schweren Herzens vom Markt genommen.

Das war keine leichte Entscheidung. „Die Unendlichkeit deiner Worte“ ist mein Herzensbuch. Ich wollte nicht, dass es einfach verschwindet. Ich wollte nicht, dass es einfach in der Unendlichkeit der Welt ins Vergessen gerät. Das Buch soll dich in eine Welt entführen, die so traurig wie tröstlich ist, so schmerzhaft wie hoffnungsvoll. Also habe ich beschlossen, mich noch einmal neu hinzusehen. Nachzufühlen. Anzupassen.

Und ich habe geschrieben.

Was danach entstand, fühlt sich für mich kaum noch, wie dasselbe Buch an und doch trägt es denselben Kern in sich. Ich habe viel geändert: Kapitel gekürzt, Charaktere gelöscht, Szenen neugeschrieben. Die Figuren sind tiefer geworden, verletzlicher, widersprüchlicher. Und es gibt neue Kapitel aus Coles Sicht, die mir besonders wichtig sind. Sie öffnen eine zusätzliche Tür, durch die ihr versteht, was in ihm laut wird, wenn er nach außen still bleibt.

Trotz all der Veränderungen bleibt die Geschichte im Großen und Ganzen dieselbe. Sie bleibt ein Buch ohne Happy End. Das war mir wichtig. Auch, wenn sich viele von euch ein fröhlicheres Ende oder einen zweiten Teil gewünscht hätten, in dem alles besser wird. Aber ich bleibe dem Buch, meinem damaligen Ich, treu. Heute weiß ich gar nicht, ob ich noch die gleiche Kraft hätte, ein derart trauriges Buch zu schreiben, eines, das so sehr mitreißt und zum Nachdenken zwingt. Gerade darum bin ich stolz, dass es existiert, dass ich es noch einmal in die Hände genommen und ihm die Reife gegeben habe, die ich mir heute wünsche.

Die neue Auflage ist meine Art mit mir ins Reine zu kommen, einen Weg zu finden, zwischen damals und heute. Das Buch ist deshalb eine Verknüpfung meines 20-jährigen Ichs und meines jetzigen Seins. Ich lasse stehen, was wahr geblieben ist, und korrigiere, wo ich mich geirrt habe. Ich schenke den Figuren Raum, den ich ihnen damals nicht gegeben habe.

Ich teile das mit euch, weil Geschichten erst lebendig werden, wenn sie gelesen werden. Ich wünsche mir, dass ihr (wieder) mitfiebert, dass ihr euch hineinversetzen könnt in diese Sätze, die wehtun aber auch trösten. Ich wünsche mir Diskussionen, Tränen, Widerspruch. Und ich wünsche mir, dass ihr spürt, wie viel Liebe, Zeit und Gewissen in dieser Neuauflage steckt.

Vielleicht lest ihr „Die Unendlichkeit deiner Worte“ zum ersten Mal. Vielleicht kehrt ihr zurück. In beiden Fällen halte ich euch im März 2026 eine neue Version entgegen. Reifer, ehrlicher, näher an dem Menschen, der ich heute bin. Kein anderes Ende. Aber ein anderer Weg dorthin.

Danke, dass ihr mich begleitet. Damals, heute und auf all den Seiten dazwischen.

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